Dozenten Portraits

Im Studiengang zum Textilbetriebswirt BTE konnte die LDT Nagold eine Vielzahl an Dozenten gewinnen, die selbst seit Jahren in der Modebranche tätig sind oder in ihrer Beruflichen Laufbahn Karriere in der Modebranche gemacht haben. Petra Florin ist seit 2014 Dozentin für Ladenbau und VM an der LDT Nagold und arbeitet als Designerin – und Innenarchitektin im eigenen Unternehmen. In der Modebranche war Sie vor ihrer Selbstständigkeit als Creative Director VM und Head of VM großer Modeunternehmen tätig.

1.Frau Florin, Sie unterrichten mittlerweile seit 4 Jahren an der LDT Nagold. Was macht Ihnen an ihrer Arbeit als Dozentin am meisten Spaß und worin liegt für Sie der besondere Reiz am Unterricht?

Der besondere Reiz liegt darin, von Seiten der Studenten immer wieder neue/ andere Aspekte zu bekommen. Wir machen uns beim Retaildesign natürlich viele Gedanken rund um den Kunden. Und von den Studenten bekomme ich immer wieder Antworten zugespielt die ganz anders sind als viele Studien oder angebliche Trends aussagen. Da wundert man sich schon ein manches Mal. 😉

Die Interaktion, der spannende Austausch mit den Studenten und die Motivation für spannende Aufgaben von den Studenten macht mir besonders Spaß.

2.Welche Fächer unterrichten Sie und wieso glauben Sie, dass diese Themengebiete wichtig für die Modebranche sind?

Ich unterrichte die Fächer : „Retaildesign/ Ladenbau als Markenkonzept“ und „ Umsatzsteigerung durch VM“

Ich glaube, dass diese Fächer sogar sehr wichtig sind, weil alles rund ums Retaildesign/VM in direkter Ansprache zum Kunden steht. Und auch wenn man später im Einkauf oder Marketing tätig ist, ist es aus meiner Sicht sehr wichtig neben den Umsatzzahlen auch den Wohlfühlaspekt für den Kunden sehr ernst zu nehmen, besonders im stationären Handel sollte man sich auch immer wieder auf neue Aspekte und Trends einlassen.

3.Was haben Sie studiert und warum?

Studiert habe ich Innenarchitektur. Begeistert daran hat mich immer, der Weg vom Gedanken, zur Idee über die Zeichnung in die Umsetzung. Heißt also, die anfängliche und noch vage Idee irgendwann gebaut zu sehen, anfassen zu können und auch noch durch den Raum zu gehen. Ein tolles Gefühl!!

4. Der Unterricht an der LDT hat einen hohen Praxisbezug. Wie integrieren Sie ihre Studenten aktiv in den Unterricht ein?

Die Studenten bekommen Aufgaben die sie in einer praktischen Übung umsetzen – oftmals merke ich da, wie traditionell z.B. in Saisons etc. gedacht wird. Das finde ich sehr interessant…

5. Was glauben Sie, welche persönlichen Eigenschaften wichtig für die Modebranche sind?

Flexibilität in jeder Hinsicht und auf jeden Fall eine große Neugierde!

6.Was hat Sie dazu bewegt ihren Beruf in der Modebranche auszuüben?

Die Modebranche ist schnell, flexibel, spannend und bereit neue Trends möglichst schnell aufzunehmen und umzusetzen- diese Beweglichkeit gefällt mir sehr gut

7.Was ist die größte Herausforderung in ihrem Beruf? Und wodurch lassen Sie sich in ihrer Beruflichen-Kreativität inspirieren?

Die Mischung zwischen dem, was aktuell Trend ist und dem was man sehr spannend findet auf den jeweiligen End- Kunden anzupassen, also mehr im Mainstream zu bleiben, ohne dass die Idee zu sehr leidet.

Ich bin viel unterwegs in Städten und Metropolen. Da schaue ich mir Ladenbau und VM an und nehme immer neue Ideen mit. Und natürlich auch in Trend-Blogs. Ich

habe einen großen Fundus an Inspirationen die ich immer wieder durchstöbern kann und neue Ideen-Konstellationen finde.

8.Welche Aktivitäten geben Ihnen das Gefühl der Klarheit, Ruhe, Kreativität und des Erfolg?

Wenn die Entwurfsphase abgeschlossen ist und die ersten Dinge gebaut vor einem stehen und man das Gefühl hat die richtige Entscheidung getroffen zu haben… z.Bsp. man hat sich für eine sehr trendige, kräftige Farbe oder Material entschieden und gegen viele Bedenkenträger gearbeitet. Und dann sieht es umgesetzt total toll aus- dann breitet sich Ruhe und Wohlbefinden innerhalb eines Projektes aus..

9. Was macht für Sie einen guten Dozenten aus?

Lebendigkeit, Praxisnähe, Trendaffinität

10.Bei den ständigen wechselnden Trends in der Mode und im Design fällt es ihnen schwierig die Balance zu ihrem eigenen Stil zu halten? Was machen Sie, um die goldenen Mitte zu finden?

Das fällt mir nicht schwer, ich finde es gerade gut, neue Trends aufzunehmen. Wir sind in Deutschland in dieser Hinsicht nicht mutig genug und trauen uns zu wenig. Der eigene Stil sollte sich da immer mitentwickeln können.

10. Sie sind Selbstständig. Können Sie sich an einen bestimmten Schlüsselmoment erinnern, in dem Sie zu dem Entschluss gekommen sind, diesen Schritt zu wagen?

Ich wollte heraus aus dem Denken und der Struktur ausschließlich über Umsatzzahlen.

Design und Gestaltung muss erst frei sein dürfen um gut zu sein. Jetzt passe ich mich an das Budget des Kunden an, werde aber nicht von täglichen Bedenken und Einwänden gebremst. So kommt man insgesamt gemeinsam mit dem Kunden zu einem besseren, klaren Ergebnis

11. Worin sehen Sie schwierige Herausforderungen für die Modebranchen?

Die schwierigste Herausforderung ist im Moment den stationären Handel interessant genug zu halten. Wir wünschen uns alle lebendige und vielfältige Innenstädte zum Shoppen und Verweilen und auch ein individuelles Angebot neben den üblichen Ketten und dem Premium Handel. Da sind alle Bereiche gefragt; den Kunden so zu bedienen, wie der Kunde sich das wünscht und nicht wie der Händler sich das wünscht. Da muss aus meiner Sicht noch sehr viel passieren und umgedacht werden.

 

Beitragsfoto: Andreas von Tempelhoff / Köln